Erba medica per Ovini e caprini
Fütterung von Schafen und Ziegen
Schafe und Ziegen gehören zusammen mit Rindern zu den weltweit am häufigsten gehaltenen Nutztierarten. Ihre wirtschaftliche Bedeutung und weite Verbreitung beruhen vor allem auf ihrer hohen Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Boden- und Klimaverhältnisse, ihrer Robustheit sowie der Fähigkeit, nährstoffarmes Futter zu verwerten. Auch ihr sanftes Wesen und ihre geringe Körpergröße spielen dabei eine Rolle.
Schafe zählen zu den ältesten domestizierten Tieren. Seit etwa 8000 v. Chr. liefern sie dem Menschen Milch, Fleisch und Wolle. Fossilienfunde im Nahen Osten deuten darauf hin, dass ihre Domestikation in dieser Zeit in Tibet, Iran und Irak begann und sich von dort aus weltweit verbreitete.
In Italien hat sich die Schaf- und Ziegenhaltung im Laufe der Jahrhunderte je nach Umweltbedingungen und regionalen Gegebenheiten unterschiedlich entwickelt. Grundsätzlich lassen sich zwei Haltungssysteme unterscheiden: die Stallhaltung (stationär) und die Wandertierhaltung (Transhumanz).
Stall- oder Weidehaltung von Schafen und Ziegen
Die stationäre Haltung ist vor allem in Mittel- und Süditalien verbreitet, während die Transhumanz – also die saisonale Wanderung zwischen Tal- und Bergweiden – traditionell in Süditalien, auf den Inseln und auch im Alpenraum praktiziert wird.
Schafe und Ziegen verbringen rund 6–7 Monate – von Oktober bis Mai – im Flachland, bevor sie zwischen Mai und Juni auf die Almweiden getrieben werden, wo sie bis September bleiben. Dieses Haltungsmodell basiert hauptsächlich auf der Nutzung natürlicher Weideflächen, wobei der Hirte seinem Viehbestand folgt und sich an der Verfügbarkeit von Grünfutter im Jahresverlauf orientiert.
Schafe und Ziegen: Spezialisierte Rassen und Wachstum
In den letzten Jahrzehnten hat sich mit der Einführung hochspezialisierter Milchtierrassen – vor allem aus dem Ausland, wie Lacaune und Assaf bei Schafen und Saanen bei Ziegen – auch in Italien die intensive Stallhaltung durchgesetzt. Diese Tiere haben einen höheren Nährstoffbedarf, und ihre Haltung erfordert ein gezieltes Management ähnlich dem von Milchkühen.
In diesen intensiven Haltungssystemen werden Lämmer und Zicklein nach der Kolostrumphase mit rekonstituierter Milch und Starterfutter versorgt. Im Gegensatz dazu erlauben traditionelle Transhumanz-Systeme längere Säugezeiten und ein längeres Verbleiben beim Muttertier.
Fütterung von Schafen und Ziegen
Auch bei diesen Tierarten setzt sich zunehmend das Unifeed-System durch – eine einzige, ausgewogene Tagesration, die auf die jeweiligen Entwicklungsphasen abgestimmt ist.
Unter allen notwendigen Nährstoffen spielen die sogenannten strukturellen Kohlenhydrate eine zentrale Rolle in der Ernährung von Milchschafen und -ziegen. Die zu den Wiederkäuern gehörenden Tiere gewinnen einen Großteil ihrer verdaulichen Energie aus der ruminalen Fermentation von Faserstoffen. Dabei wird auch mikrobielle Eiweißmasseaus der ruminalen Bakterienbiomasse gebildet.
Diese mikrobielle Eiweißmasse sowie die durch Fermentation entstehenden flüchtigen Fettsäuren (VFAs) sind die beiden wichtigsten Energie- und Nährstoffquellen für diese kleinen Wiederkäuer.
Daraus ergibt sich, dass das Hauptziel bei der Fütterung von Schafen und Ziegen eine dauerhaft ausgewogene Ration ist – mit hochwertigen Faserquellen, die ein optimales Bakterienwachstum im Pansen fördern und damit die Bildung von mikrobiellem Eiweiß und VFAs als Energiequelle maximieren.